Hochwasserwarnsystem im Müglitztal
 
Die Menschen im Müglitztal wurden am 12.8.2002 nicht bzw. unzureichend über die bevorstehende Flut und deren Ausmaß gewarnt. Erst durch die Ereignisse vor Ort, der raschen Zunahme der Überflutungen durch die Müglitz reagierten die örtlichen Kräfte.
 
Die rechtlichen Grundlagen, die Struktur und die Organisation des Hochwassernachrichtendienstes im Freistaat Sachsen findet man unter http://www.umwelt.sachsen.de/lfug/hwz/index.html. Der Schwerpunkt der dortigen Ausführungen ist für eingedeichte Flüsse mit langen Vorwarnzeiten ausgelegt. Hier ein verkürzter Überblick:
 
Alarmstufe Auslöser Maßnahmen
1 - Meldedienst der Wasserstand am Hochwassermeldepegel und steigende Tendenz
  • ständige Analyse der meteorologisch-hydrologichen Lage und Beurteilung deren Entwicklung
  • Überprüfung der Alarm- und Meldepläne, der Hochwasserabwehrpläne und der Einsatzfähigkeit der erforderlichen Ausrüstung, Technik und des notwendigen Materials
2 - Kontrolldienst der Wasserstand am Hochwassermeldepegel und steigende Tendenz
  • tägliche periodische Kontrolle der Wasserläufe, Deiche, wasserwirtschaftlichen Anlagen, der gefährdeten Bauwerke und Ausuferungsgebiete
  • Herstellung der Arbeitsbereitschaft in den zuständigen Wasserbehörden und Fachämtern
  • Einsatz von Kontrollkräften entsprechend den Festlegungen der Hochwasserabwehrpläne
  • Überprüfung der Einsatzbereitschaft der Einsatzkräfte und der Hochwasserschutzmaterialien
  • Alarmierung des Wasserwehrdienstes
3 - Wachdienst der Wasserstand am Hochwassermeldepegel und steigende Tendenz
  • ständiger Wachdienst auf den Deichen
  • vorbeugende Sicherungsmaßnahmen an Gefahrstellen und Beseitigung örtlicher Gefährdungen und Schäden
  • Einrichtung von Einsatzstäben an Schwerpunkten und Schaffung spezieller Nachrichtenverbindungen
  • Auslagerung von Hochwasserschutzmaterialien an bekannten Gefahrstellen
  • Anforderung, Vorbereitung und Bereitstellung weiterer Kräfte und Mittel zur aktiven Hochwasserabwehr
4 - Hochwasserabwehr der Wasserstand am Hochwassermeldepegel und steigende Tendenz
  • Festlegung vorbereitender Maßnahmen bzw. Durchführung der Evakuierung von Gefahrengebieten
  • Vorbeugende Maßnahmen zur Beseitigung bzw. Minderung von Gefährdungen und aktive Bekämpfung unmittelbarer Gefahren und Schäden
  • Heranziehen geeigneter Kräfte und Mittel für die Gefahrenbekämpfung Verteidigung der Deiche und Anlagen
  • Errichtung einer zweiten Verteidigungslinie zur Eingrenzung des Schadens
  • Auslagerung von Maschinen, Ausrüstungen und Materialien
 
Auch für die Müglitz gibt es die Alarmstufen 1 bis 4. Diese wollten wir vom Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) erfragen und richteten am 28. Oktober 2002 eine e-mail an die Presse- und Bürgerrefentin Frau Bernhardt.
 
Aus Ihrer Antwort vom 21. November 2002 geht hervor:
  • Die auslösenden Kriterien für die Alarmstufen an der Müglitz wurden uns nicht genannt
  • Eine Änderung dieser Kriterien nach der Flutkatastrophe ist nicht erfolgt

Geändert wurde hier offensichtlich noch nichts. Die Struktur (siehe Organisationsschema) für die Erfassung und Analyse der Daten, der Auslösung der Alarmstufen und die Wege zur Weiterleitung über die verschiedensten Ämter bis hinunter in die Gemeinden ist nicht dazu geeignet eine rechtzeitige Hochwasserwarnung in den Tälern des Osterzgebirges zu realisieren.
 
Offensichtlich stehen beim nächsten großen Unwetter die Bewohner des Müglitztales wieder ohne rechtzeitige Warnung da.
 
 
Die meteorologischen Daten des Sächsischen Hochwassernachrichtendienstes basieren auf den Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Dieser hat im Gebiet des Gottleuba-, Müglitz- und Weißeritztales nur eine Wetterstation in Zinnwald und eine in Dresden/Flughafen. Dagegen betreibt die Meteomedia AG (Kachelmann) Wetterstationen in Altenberg, Bad Gottleuba, Dippoldiswalde, Hartha und Dresden/Hygienemuseum.
 
Auf unsere Anfrage "Kann die Meteomedia AG Unwetterwarnungen direkt an die Gemeinden im Gebiet des Gottleuba-, Müglitz- und Weißeritztales ausgeben", stellte Herr Kachelmann das Konzept für eine Unwetterwarnzentrale vor. Seit Anfang Januar 2003 arbeitet die Unwetterwarnzentrale der Meteomedia AG.
 
 
 
letzte Aktualisierung: 31.12.2002
email: Webmaster@Mueglitztal-Flut.de