Wettervorhersage und Unwetterwarnzentrale
 
Jörg Kachelmann von der Meteomedia AG setzt für die Wettervorhersage neue Maßstäbe:
 
Die Aufgabe der klassischen «Wetterfrösche» ist auch unabhängig von Ursachen, unabhängig von der Frage nach dem Treibhauseffekt: Wir müssen die Wirkung, das real existierende Wetter, bestmöglich vorhersagen. Es gilt schlicht, einen großflächigen Starkregen oder Orkan wenigstens 12 bis 24 Stunden vor dessen Eintreffen zu erfassen.
 
Bei kleinen und örtlich begrenzten Unwettern ist eine Vorhersage gar nicht möglich, auch in Jahrhunderten werden wir nicht in der Lage sein zu wissen, ob die eine Gewitterwolke abends den Norden, Westen, Osten oder Süden Berlins treffen wird. Aber die Meteorologie kann dennoch mehr leisten als bisher, auch - aber nicht nur - wenn Unwetter heraufziehen. Hier hilft uns moderne Technologie, deren Entwicklung und Einsatz wir vor diesem unwetterreichen Sommer beschlossen und nach ihm erfolgreich abgeschlossen haben: Endlich ist es meinen Mitarbeitern und mir möglich, in unserem Betrieb nach amerikanischem Vorbild Unwetter auf regionaler, notfalls auf kommunaler Ebene zu erfassen und unmittelbar die Bevölkerung und Behörden zeitnah und lokal zu warnen. Das Prinzip ist im Grunde einfach, wenn auch nicht unaufwendig. Sobald sich zum Beispiel ein Gewitter zum ersten Mal in der Entstehung zeigt, kann es erfasst und seine Entwicklung und Richtung bestimmt werden. Den wenigen Einwohnern am Entstehungsort nutzt die Voraussage nichts mehr-das Unwetter ist bei ihnen ja schon da -, den Menschen in ihrer Region kann es aber sehr wohl nutzen.
 
Mögen die nationalen, regionalen und kommunalen Krisenstäbe zur Kenntnis nehmen, was moderne Meteorologie leisten könnte. Die Zeiten müssen vorbei sein, in denen die höchststufigen Unwetterwarnungen in Deutschland für ganze Bundesländer gültig sind und zwölf Stunden Gültigkeit überspannen mit dem schlichten Text, dass örtlich Gewitter mit Hagel, Starkregen und Sturmböen zu erwarten seien.
 
Seltsam, dass solche Informationen ohne Nutzwert überhaupt laufend in den elektronischen Medien verlesen werden. Wie sollte man als normaler Mensch reagieren, wenn man hört, dass beispielsweise in Bayern örtlich starke Gewitter möglich sind? So etwas kann nur die erste Stufe eines Unwetterwarnsystems, entsprechend dem amerikanischen «watch», sein: In einer Gruppe von Landkreisen ist in einem 6 bis 12 Stunden umfassenden Zeitraum eine bestimmte gefährliche Wetterlage möglich. Die nächste Stufe, das konkrete «warning», gibt es bisher bei uns gar nicht, in den USA ist sie seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit: konkrete Unwetterwarnungen auf Landkreisebene. Liebe Feuerwehren, Krisenstäbe und Katastrophenschützer: Das geht, das funktioniert auch bei uns, wir sind bereit.
 
 
 
Literatur:
Die große Flut, Jörg Kachelmann (Hsg), Hamburg 2002, S. 10-11
 
 
 
letzte Aktualisierung: 5.1.2003
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