Historische Fluten im Osterzgebirge
 
Die Flut im Müglitztal und in den benachbarten Tälern des Osterzgebirge vom 12./13. August 2002 ist nicht die erste schwere Flutkatastrophe in diesem Gebiet.
 
Im 15. Jahrhundert begann durch den Bergbau die großflächige Rodung der Wälder im Einzugsgebiet der Müglitz im oberen Erzgebirge. Das Holz wurde für den Bergbau benötigt, gleichzeitig aber auch für Wohnungen für die Bergleute und Platz für eine bescheidene Landwirtschaft. So entstanden im Quellgebiet der Müglitz die Dörfer Fürstenau, Fürstenwalde, Müglitz, Voitsdorf und Ebersdorf. Heute sind gerade 10% der Hochfläche mit Wald bestanden. Der Rest sind Wiesen.
 
Von der ersten Flutkatastrophe wird 1480 im Gottleubatal berichtet. Am 15. November im Jahre 1552 forderte eine Flut im Bielatal bei Königstein etwa 100 Tote, ganze Häuser wurden weggerissen.
 
Weesenstein 1781
Ausschnitt aus dem sächsischen Meilenblatt von 1781
 
Bis auf ein kurzes Stück im Schloßpark kann im 18. Jahrhundert die Müglitz ihr über Jahrhunderte entstandenes Bett nutzen. Der Prallhang in den Flußbiegungen wird immer von massivem Fels gebildet. Die zwei gelben Pfeile markieren Bereiche, wo heute auf Grund des Straßen- und Eisenbahnverlaufes das Bett in Richtung des Gleithanges verlagert wurde.
Weesenstein hatte damals nur ca. 20 Einwohner, die direkt in der Nähe des Schlosses siedelten.
 
Mit dem Bau der Müglitztalstraße ab 1846 und der Müglitztalbahn 1890 (Schmalspur) wurden die ersten gravierenden Eingriffe vorgenommen. Insbesondere waren die vielen Brücken über die Müglitz problematisch. Mit der Industriealisierung nutzten immer mehr Fabriken das Wasser der Müglitz als Energiequlle. So entstanden immer mehr Mühlgräben und Wehre (Peschelmühle, Papierfabrik und Schuhfabrik Weesenstein, ...). Parallel dazu wurden die Gemeinden größer. 1834 hatte Weesenstein 226, 1890 sogar 479 Einwohner.
 
Nur sieben Jahre nach der Inbetriebnahme der Müglitztalbahn wurde das Osterzgebirge am 30./31.Juli 1897 von der bis dahin schwersten Flutkatastrophe heimgesucht. Ausgangspunkt war ein mehrtägiger Landregen im oberen Erzgebirge.
 
Nach einem schweren mehrstündigen Gewitter am 8./9. Juli 1927 im Einzugsgebiet von Gottleuba, Seidewitz und Müglitz richteten die Wassermassen in den Flußtälern schwere Schäden an. Neben der Zerstörung von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden wurden besonders die Verkehrswege in Mittleidenschaft gezogen. Insgesamt 152 Personen starben infolge der Flut.
 
Zwischen 1934 und 1937 wurde die Müglitztalbahn von Schmalspur auf Normalspur umgestellt. Ziel war es, die Transportleistungen zu erhöhen und auch die Bahnanlagen besser vor Hochwasser zu sichern. Dazu wurde an vielen Stellen der Müglitz ein neues Flußbett aufgezwungen.
 
Im Jahre 1957 wurde insbesondere das Gottleubatal heimgesucht. Aber auch im Müglitztal waren Schäden zu verzeichnen. Der 1953 fertiggestellte Prießnitzdamm bestand seine Bewährungsprobe.
 
Schon um 1900 wurde über Hochwasserschutzmaßnahmen diskutiert. Das betraf sowohl den Bau von Stauanlagen, das Freihalten der Flußauen und das Aufforsten der Hochflächen im Quellgebiet.
 
 
 
letzte Aktualisierung: 25.09.2002
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