Flutkatastrophe von 1927 im Müglitztal
 
Die Flut im Müglitztal und in den benachbarten Tälern des Osterzgebirge vom 12./13. August 2002 ist nicht die erste schwere Flutkatastrophe in diesem Gebiet.
 
Am Nachmittag des 8. Juli 1927 ging ein dreistündiges schweres Gewitter auf den Hochflächen des Erzgebirges wieder. Die in die Täler der Gottleuba und der Müglitz fließenden Wasser beginnen ihr zerstörerisches Werk. Nachdem gegen 19 Uhr das Gewitter kurz nachgelassen hatte, setzte es erneut ein und erreichte seinen zweiten Höhepunkt gegen 22:30.
Schon auf den Hochflächen beginnt das zerstörerische Werk.
 
Durch mitgerissene Bäume verstärkt sich die Wirkung in den engen Flußtälern. Brückenbauwerke verstopfen und stauen das Wasser an, bis der Druck des Wassers das Hindernis sprengt und sich auf diese Art immer wiederholend noch verstärkt. Nichts kann das Wasser aufhalten.
 
Das an der Leinbrocksche Sägewerk bei Bärenstein lagernde Holz wird vollständig mitgerissen und bildet neue Staustufen bei Bärenstein. Die Wucht des Wassern verrichtet dann ihr Zerstörungswerk in Glashütte und allen anderen tieferliegenden Orten.
 
Nach der Flut von 1927 setzte eine ganz Deutschland erfassende Hilfs- und Spendenaktion ein. Noch im Spätherbst 1927 nahm die Müglitztalbahn (Schmalspur) ihren Betrieb wieder auf. Denn sie bildete die wirtschaftliche Basis der Region.
 
In den Diskussionen nach der Flutkatastrophe von 1927 spielte auf der einen Seite der Bau von zwei Talsperren im Müglitztal und eine im Gottleubatal eine große Rolle. Andererseits wurde eine Aufforstung der Hochflächen und die Schaffung von mehr Freiraum in den Tälern für das schnelle Abfließen der Wässer gefordert.
Umgesetzt wurden einzelne Rückhaltebecken.
 
Durch das Waldsterben im oberen Erzgebirge hat sich der Anteil des Waldes im Einzugsgebiet verringert. Insbesondere nach 1990 wurden die Bereiche in der Nähe des Flusses stärker bebaut. Falsch verstandene "Grünen-Politik" verhinderte, daß im Bereich der Böschungen und in kritischen Zonen im den Flußauen die Bäume entfernt wurden.
 
Die Flut von 2002 wurde durch einen langanhaltenden starken Landregen mit Niederschlagsmengen zwischen 100 l/m² und 320 l/m² in 24 Stunden ausgelöst. Wir sollten den Umgang mit der Müglitz überdenken. Die Bilder der Fluten von 2002 und 1927 gleichen sich zu sehr.
 
 
 
Literatur
Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Heft 9 - 12, Band XVI, Dresden 1927
 
letzte Aktualisierung: 24.09.2002
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