| Hochwasser vom 30./31. Juli 1897 |
| Fast 20 Tage hatte der Landregen das gesamte Erdreich am Osterzgebirgskamm
durchweicht und übersättigt. Neue Wolkenhaufen ballten sich am
Lugstein unweit Zinnwald und entluden sich in einem fürchterlichen
Wolkenbruch. Größere zusammenhängende Waldungen gab es dort
schon seit Jahrhunderten durch den Raubbau nicht mehr, so daß die Fluten
hemmungslos an den Hängen hinab in die Täler brausen konnten. Die
Wilde und Rote Weißeritz, die Müglitz und die östlich davon
liegenden Bäche wurden zu reißenden Strömen. Am stärksten war die Flut im Müglitztal, wo zeitweise 240 m³/s Wasser durch das enge Tal in Richtung Elbe flossen. |
| Schon im Quellgebiet kommt es um Fürstenwalde, Fürstenau und Müglitz sowie Altenberg und Geising zu starken Zerstörungen. |
| In Glashütte wurde der Bahnkörper an vielen Stellen unterspült und Brücken fortgerissen. |
| In Oberschlottwitz wird die Herrenmühle stark beschädigt, die Schneidemühle von der Friedensmühle wurde völlig weggespült. Durch Schotterablagerungen wurde an vielen Stellen fruchtbares Land zerstört. Die Dornbusche Maschinenfabrik ist stark beschädigt, inbesondere ist der Wassergraben völlig vernichtet. |
| In Niederschlottwitz ist die Brücke über die Müglitz stehen geblieben. Aber kurz unterhalb in der Höhe der Graff'schen Pappfabrik hat die Straße und die Eisenbahn stark gelitten. An vielen Stellen hat sich hier die Müglitz ein neues Bett gesucht. |
| Die Dörfer Häselich und Mühlbach standen völlig unter Wasser. Die Brücke zwischen beiden Dörfern ist zerstört. Die Wiesen und Felder sind verschlammt bzw. durch Geröllablagerungen nicht nutzbar. Ein Wirtschaftsgebäude wurde von den Fluten fortgerissen. |
| In Höhe des Rabenhorstes konnte nicht mehr festgestellt werden, was Straße, Bahndamm und Müglitzbett gewesen war. Auch hier hatte sich die Müglitz ihr altes Bett gesucht und rauschte direkt an den Felsen des Rabenhorstes entlang. |
| Durch die Gebäude der Jonasmühle in der Nähe des Bahnhofes Burkhardswalde-Maxen rauschten die Wasser. Der parkähnliche Garten wurde verwüstet. |
| Die Weesensteiner Papierfabrik, ca. 1 km oberhalb des Schlosses, wurde überschwemmt. Die in der Fabrik eingeschlossenen Arbeiter konnten über eine Notbrücke gerettet werden. Der Oberbau des Bahnkörpers wurde an vielen Stellen weggespült, so daß die Schienen mit den Schwellen in der Luft hingen. |
| Am schlimmsten wurde 1897 im Müglitztal Weesenstein getroffen. |
| Auch unterhalb von Weesenstein bis zur Mündung setzte die Müglitz ihr Zerstörungswerk fort. Alle Steinbrücken von Köttewitz bis Mügeln wurden zerstört. In Dohna ist ein Wohnhaus teilweise eingestützt, mehrere Wirtschaftsgebäude versanken in den Fluten. |
| Einerseits gab es in ganz Sachsen Spendenaktionen zur Unterstützung der Flutopfer, andererseits bereicherte sich die Bevölkerung der nichtbetroffenen Dörfer an dem weggeschwemmten Gut der Talbewohner. |
| Die durch die Hochflut im ganzen Müglitztal entstandenen
Verkehrsstörungen waren beispiellos. Der rege Wagenverkehr im Tale war
wochenlang unmöglich und mußte auf beschwerlichen Umwegen über
die Berge geleitet werden. Der Eisenbahnbetrieb war erst vom 1. Oktober an auf der ganzen Linie wieder möglich. Am 8. August verkehrte der erste Zug zwischen Mügeln und Dohna, nachdem die Bahnstrecke in größter Eile notdürftig wieder hergestellt worden war. Am 15. August gelangte der Zug bis Köttewitz, am 22. August bis Weesenstein. Mit Aufbietung aller Kräfte wurde an der Wiederherstellung der zerstörten Eisenbahn und der Straße gearbeitet; hölzerne Notbrücken wurden überall so schnell als möglich errichtet. Die unterbrochene Telefonverbindung wurde durch eine Notleitung, teilweise an den Bäumen entlang, schon am 1. August bis Weesenstein, wenige Tage später bis Glashütte ersetzt. |
| letzte Aktualisierung: 24.09.2002 email: Webmaster@Mueglitztal-Flut.de |