| Sächsische Zeitung Kein Neubau an Stellen mit Hochwassergefahr Von Katja Schreiber Wie geht es weiter mit dem Müglitztal? Darüber wurde Donnerstagabend auf Schloss Weesenstein diskutiert. Landrat, Bundestagskandidaten, das Fernsehen und viele Einwohner und Betroffene waren gekommen. Und über eines schienen sich alle einig: Besonders in puncto Hochwasserschutz sollen keine alten Fehler wiederholt werden. Konkret betraf dies den künftigen Flussverlauf der Müglitz und die Standorte für neu zu errichtende Häuser. Wie ein Einwohner unter Applaus mitteilte, wollen viele Weesensteiner der Müglitz ihr ursprüngliches Bett zurück geben. Landrat Michael Geisler (CDU) erklärte jedoch schon zu Beginn: "Wir können erst planen, wenn wir eine aktuelle Karte der Müglitz, von der Quelle bis zur Mündung, haben. Dann können wir über den Verlauf reden." Das wird auch das Ortsbild Weesensteins verändern. Ein neuer Flächennutzungsplan wird nötig werden, den die Gemeinden erstellen müssen. Und bei dem sich die Bürger einbringen können. Noch eines sagte Landrat Geisler klipp und klar: Dort, wo Häuser von den Fluten weggerissen wurden, werde es keinen Neubau geben. Die Gebäude sollen stattdessen flutsicher auf höherem Niveau errichtet werden. Deshalb brauche man die Höhenlinien von Weesenstein. So wird in den nächsten Tagen und Wochen vermessen und neu kartiert. Wenig Berücksichtigung fanden an diesem Abend die so genannten "Einzelschicksale". Stimmgewaltig brachte sich deshalb Michael Jahn in die Diskussion ein: "Ich habe gar nichts mehr, und Sie sagen, irgendwann klären wir das mal", richtete er seinen Zorn auf Landrat Geisler. Er fühlt sich mit seinen Sorgen allein gelassen. Fünf Jahre lang hatte der junge Mann an seinem Haus gebaut: "Jeden Balken habe ich selbst angebracht." Gerade vor vierzehn Tagen war das Haus in der Schulstraße fertig geworden. Die Flut riss es weg, und ihm ist nichts geblieben - außer dem Kredit. Er weiß nur eines: Dort, wo sein Haus einmal stand, darf er kein neues mehr hinbauen. Und wohin sonst? Das kann ihm jetzt noch keiner sagen. Und noch schlimmer: Laut Versicherung muss er an dieselbe Stelle bauen, sonst gibt es kein Geld. Nach Aussage von Allianz-Pressesprecher Oliver Santen brauchen sich die Geschädigten in diesem Punkt jedoch keine Sorgen zu machen. Das stehe zwar so in den neuen Verträgen. Doch es gebe Ausnahmen, wenn ein Neubau an dieser Stelle wirtschaftlich oder rechtlich nicht möglich ist. Rechtlich meint, wenn Behörden den Neubau nicht gestatten. Dies wäre in Weesenstein der Fall. Auf der Versammlung bot der Landrat Hilfe bei Gesprächen mit Versicherungen an. Michael Jahn wohnt mit seiner vierköpfigen Familie momentan in einem Neubau. Ein Vierteljahr mietfrei. Und dann? Solange er das nicht weiß, hat er andere Sorgen als einen künftigen Radwanderweg. Der stand nämlich, schon per Einladung, ebenfalls zur Debatte. |