Sächsische Zeitung (Politik/ Natur und Technik ), 06.09.02

Das Land will bei Talsperren einige Stöpsel ziehen

Erholungsgebiete wie in Malter könnten schon bald auf dem Trockenen sitzen

Gunnar Saft

Hinterher ist man immer klüger. Doch als sich am 5. August dieses Jahres eine Hand voll sächsischer Kommunalpolitiker, darunter der Landrat des Weißeritzkreises Bernd Greif und der Geisinger Bürgermeister Frank Gössel mit Sachsens Umweltminister Steffen Flath (CDU) trafen, hatte man noch ganz andere Sorgen.

Anlässlich der Grundsteinlegung für den künftigen Müglitz-Damm bei Lauenstein brachte man an diesem Tag erneut einen lang gehegten Wunsch zur Sprache. Der neue Staudamm dürfe nicht nur dem Hochwasserschutz dienen, sondern müsse auch ein touristisches Glanzstück der Region werden, drängte man den Minister. Statt einer bloßen Schutzmauer von 32 Meter Höhe, vor der sich nur gähnende Leere breit macht, solle vielmehr ein prall gefüllter Müglitzsee scharenweise Gäste anlocken.

Seit Jahren macht man sich in der wirtschaftsschwachen Region für ein solches Projekt stark. Investoren wurden gefunden, der Kampf mit dem Regierungspräsidium um gesetzliche Auflagen begonnen und nicht zuletzt die Volksseele mobilisiert. Entschieden ist bisher trotzdem nichts.

Und auch der Minister mochte an diesem Tag keine Zusage abgeben, ob das neue Bauwerk ab 2006 auch dem Tourismus oder doch allein dem Hochwasserschutz dienen wird, "falls die Müglitz mal mit hundertfacher Wut fließt", wie die lokale Presse anlässlich der Grundsteinlegung titelte. Dass dies schon eine Woche später der Fall sein sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand.

Nachdem die Wasserfluten das Müglitztal verwüstet haben, ist von einem Stausee vorerst keine Rede mehr. Dafür machen Gerüchte die Runde. Weil hinter den politischen Kulissen immer wieder über den eigentlichen Zweck des Dammes gestritten worden war, soll sich dessen Baubeginn um fast drei Jahre verzögert haben. Bestätigen mag man das im Umweltministerium nicht. Ein Dementi gibt es aber auch nicht. Gerettet hätte man das Tal damit zwar auch nicht, heißt es später hinter vorgehaltener Hand, besser geschützt aber wäre es durch einen halbfertigen und leeren Damm auf jeden Fall gewesen.

Bei sinkenden Pegeln droht Ebbe in der Kasse

Die Investoren von Lauenstein haben also im Moment schlechte Karten. Doch noch härter dürfte es bald Gemeinden wie Malter an der Roten Weißeritz bei Dresden treffen, bei denen schon eine Talsperre existiert, in deren Umgebung sich ein florierendes Naherholungsgebiet entwickelt hat. Vom Bootsverleih über einen Campingplatz bis hin zu zahlreichen Gaststätten profitiert man in Malter seit Jahren vom aufgestauten Wasser. Ob dies auch in Zukunft so bleibt, ist inzwischen aber fraglich.

Der Grund: Nach der Flutkatastrophe plant das Land Sachsen, spätestens im Herbst die Betriebspläne aller Talsperren zu überprüfen und notfalls zu ändern. Für die Talsperre in Malter, die nicht für die Trinkwasserversorgung genutzt wird, ist bereits eine Umstellung auf erhöhten Hochwasserschutz vorgesehen. Im Klartext: Der zurzeit 8,8 Millionen Kubikmeter große Stauraum wird so weit wie möglich abgelassen. Schlechte Aussichten für die vielen Badegäste und Freizeitkapitäne, die regelmäßig vor allem aus der Landeshauptstadt nach Malter kommen. Schlechte Aussichten aber auch für die Gemeindekasse. Denn mit dem Pegelstand des Wassers dürften auch die Einnahmen der Kommune drastisch sinken.

Dass es Proteste hageln wird, wenn Malter und andere Anlagen aufs Trockene gesetzt werden, gilt in Dresden als sicher. Noch glaubt man sich dafür gut gewappnet und will am verbesserten Schutzkonzept festhalten. "Wir müssen uns aber beeilen, sonst gerät in Vergessenheit, woran man vor der Jahrhundertflut auch nicht glauben mochte." Und dann könnte man auch in Lauenstein wieder hoffen.