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Sächsische Zeitung (Lokales Dippoldiswalde ), 15.08.02

Glashütte: Das Schlimmste liegt noch unter dem Schlamm

Erst wird bei Bäckereien und Fleischern ausgepumpt

Franz Herz

"Ich bin auf allen Vieren über die Bahnbrücke gekrochen. Nur so kam ich wenigstens zu Fuß von Schlottwitz nach Glashütte", erzählte gestern Klaus Muckle. Er ist Meister bei der Firma Steffen Söhner im Glashütter Ortsteil Schlottwitz. "Was da passiert ist verheerend. Eine Halle weggerissen. Maschinen, Material, Ausrüstung, alles weggeschwemmt. Das ist eine reine Katastrophe. Dahinter liegt die Straße auf einem ganzen Stück zwei Meter tiefer, alles ausgeschwemmt", berichtet er. Die Söhner-Gebäude stehen direkt an der Müglitz. Wie es weitergehen wird? Muckle hebt die Hände.

Die Nachrichten aus Schlottwitz waren spärlich. Das Müglitztal war auf den vier Kilometern zwischen Schlottwitz und Glashütte gestern noch unpassierbar.

Die überregionalen Hilfsaktionen setzten ein. Das Technische Hilfswerk aus Wolfenbüttel rückte an, um eine Behelfsbrücke zu errichten und die Straße über die Vogelwiese in Ordnung zu bringen, damit wenigstens von Dippoldiswalde her die Stadt wieder zu erreichen ist. "Die Versorgung der Menschen steht jetzt im Vordergrund", sagte Glashüttes Bürgermeister Frank Reichel.

Die Feuerwehr in der Kernstadt kümmerte sich besonders um die Bäckereien und Fleischereien. Die Johnsbacher Wehr konzentrierte sich auf den Einsatz im Ortsteil Bärenhecke, um der dortigen Mühle und Bäckerei zu helfen. Eine Bundeswehr-Nachschubeinheit aus Riesa schaffte Wasser und Brot zum Rathaus als Notverpflegung. Ein mobiles Wasserwerk wurde mit Lkws bis Glashütte gebracht und mit Hubschraubern in die Stadt geflogen. Die Bauunternehmen, die in der Uhrenstadt tätig waren, setzten ihre Bagger ein, die Straße zu räumen. Bis zu einem halben Meter hoch türmten sich Schlamm und Geröll.

Große Sorgen machte den Feuerwehrleuten der Zustand der Prießnitzüberbrückung auf dem Glashütter Markt. Teilweise war das Gewölbe nach dem Dammbruch zusammengebrochen. An anderen Stellen konnte es jeden Moment in sich zusammenstürzen, Schaulustige spazierten darüber, ohne sich um Absperrungen zu kümmern.

Die schlimmsten Schäden erlitten in Glashütte die Häuser an der Dresdner Straße. Hier gab es dramatische Rettungsaktionen.