Sächsische Zeitung (Politik/ Natur und Technik ), 14.08.02

Die Hilfe funktioniert und die Solidarität beeindruckt

Ministerpräsident Milbradt zur Hochwasserkatastrophe

Gespräch: G. Saft

Sachsen kämpft gegen die Fluten. Die SZ sprach mit Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) über Hilfsangebote, erwartete Schäden und die Organisation der Rettungseinsätze.

Haben Sie sich einen Überblick über das Ausmaß der Katastrophe machen können?

Seit gestern Mittag bin ich ununterbrochen im Einsatz, habe vor Ort mit den Betroffenen vor allem im Müglitztal und in Dresden gesprochen. Der Krisenstab informiert mich 24 Stunden am Tag. Mein Mitgefühl gilt den Opfern. Betroffen ist vor allem das Gebiet zwischen dem Erzgebirge und der Landeshauptstadt Dresden sowie das Muldental, insgesamt 14 Landkreise in Sachsen. Die Situation ist äußerst dramatisch. Es ist die größte Hochwasserkatastrophe seit Menschengedenken.

Welche Hilfe braucht Sachsen jetzt noch?

Bayern und andere Länder haben uns bereits ihre Unterstützung angeboten. Zum Teil haben wir bereits selber bei unseren Nachbarländern um Hilfe gebeten. Viele Feuerwehrleute und Helfer vom Technischen Hilfswerk sind auch schon länger als 24 Stunden im Einsatz und müssen nun ausgewechselt werden. Das wird aber planmäßig geschehen. Dazu ist die Bundeswehr und der Bundesgrenzschutz mit ihrer Technik unterwegs. Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Bürgern bedanken, die sich ebenfalls angeboten haben. An Helfern mangelt es uns aber zum Glück nicht. Eine Tasse heißen Tee und ein paar Stullen helfen jetzt aber den Einsatzkräften vor Ort sehr.

Hat das Land die Katastrophe unvorbereitet getroffen?

Dieses Ausmaß hat sicherlich niemand erwartet. Aber die Rettungseinsätze laufen zügig und koordiniert ab. Die vielen Einsatzfahrzeuge samt Blaulicht und Sirenen sind ein Zeichen dafür, dass die notwendige Hilfe gut funktioniert. Das trifft auch auf die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarländern Tschechien und Polen zu.

Sie waren die letzten Stunden häufig vor Ort in den betroffenen Hochwassergebieten. Wie ist dort die Stimmung?

Mich beeindruckt die enorme Einsatzbereitschaft und die aufopferungsvollen Leistungen aller Helfer. Das überzeugt mich, dass wir die Situation trotz aller Widrigkeiten gut überstehen werden. Außerdem bin ich tief beeindruckt von der Solidarität der Bürger untereinander.

Gibt es bereits einen Überblick über das Ausmaß der Schäden im Land?

Ein vollständiges Bild über Auswirkungen des Hochwassers wird es frühestens in drei bis vier Tagen geben. Ich befürchte aber schon heute, dass die Fluten Sachsen einen enormen wirtschaftlichen Schaden zugefügt haben. Häufig lagen ja direkt an den betroffenen Flüssen neue Gewerbegebiete. Einige Orte waren zudem vollständig vom Wasser eingeschlossen.

Wird es eine Spendenaktion für die Hochwasseropfer geben?

Ja. Ich habe persönlich unter der Kontonummer 348 035 100 (Bankleitzahl 850 55 142) Kennwort "Flutkatastrophe Sachsen" bei der Stadtsparkasse Dresden ein Spendenkonto eingerichtet. Ich bitte alle Sachsen, ihre Solidarität auch auf diesem Weg zu zeigen. Das Kabinett wird heute außerdem weitere auch finanzielle Sofortmaßnahmen beschließen.