| Sächsische Zeitung (Lokales Pirna ), 13.08.02 Wassermassen Katastrophenalarm im Kreis Gottleuba, Müglitz und Seidewitz werden reißende Ströme / Pirnaer Innenstadt überschwemmt Bisher waren die Überschwemmungsmeldungen im Fernsehen weit weg gewesen. Doch jetzt bekommt die Sächsische Schweiz die Wetterkapriolen in vollem Ausmaß zu spüren. Sintflutartige Regenfälle sorgten gestern Vormittag zunächst für überflutete Keller und Straßen. Am Nachmittag spitzte sich die Situation teilweise dramatisch zu. Flüsse traten über ihre Ufer, Wohngebiete, unter anderem in der Pirnaer Innenstadt, wurden völlig überflutet. Die Rettungskräfte arbeiteten die ganze Nacht auf Hochtouren, um der Situation Herr zu werden. D. Förster, O. Nowak, P. Hilbert So schlimm war zuletzt das Hochwasser vor 65 Jahren, schüttelte ein Augenzeuge den Kopf. Die Seidewitz in Zuschendorf trat bedrohlich übers Ufer, ganze Landstriche wurden hier binnen kurzem überfluetet. In Pirna verwandelte sich die Gottleuba am Nachmittag in einen reißenden Strom. An den Gottleubabrücken stauten sich die Fluten, verfingen sich dicke Baumstämme und weggerissener Unrat. Die Hoffnung des Pirnaer Feuerwehrchefs Peter Kammel hatte sich nicht erfüllt. Der meinte noch am Montagmorgen: Wir bekommen die Lage bestimmt in den Griff. Immer wieder ertönten die Martinshörner. Von halb Acht an musste durchschnittlich alle vier Minuten ein Trupp ausrücken. Mussten die Feuerwehrleute bis nachmittags lediglich vollgelaufene Keller auspumpen, so hatten sie ab den Abendstunden bei wesentlich größeren Katastropheneinsätzen alle Kräfte mobilisert. Die Innenstadt stand teilweise weit über einen Meter unter Wasser. Voll im Einsatz war auch die Heidenauer Feuerwehr und das technische Hilfswerk. Sie mussten anfangs noch beim städtischen Abwasserpumpwerk an der Elbe aushelfen. Die Pumpen dort reichten bei den gewaltigen Regenmengen nicht mehr aus, um mit dem angestauten, überschüssigen Wasser fertigzuwerden. Gegen Nachmittag eskalierte auch dort die Situation. Die sonst friedliche Müglitz trat über die Ufer nachdem der Damm in Glashütte gebrochen war. Durch eine Flutwelle wurde der Fluss zum reißenden Strom. Besonders betroffen waren Mühlbach, Burkhardtswalde, Weesenstein, Köttewitz, Dohna und Heidenau. Es kam zu Erdrutschen, die Hochwasserstufe drei wurde ausgerufen. Menschen mussten hilflos mit ansehen, wie die ansteigenden Fluten Gärten und Häuser überschwemmten. Selbst eilig aufgetürmte Sandsäcke konnten die Fluten nicht eindämmen. Auf den Straßen ging fast nichts mehr. Sämtliche Bahnunterführungen standen in Heidenau unter Wasser. Hunderte Fahrzeuge irrten auf der Suche nach einem Schlupfloch ziellos durch die Stadt. Heidenau glich genauso wie die Kreisstadt Pirna einer Seenlandschaft. In Pirna und anderen Orten mussten sogar Bewohner von bedrohten Häusern evakuiert werden. In der Kreisstadt bot die neue Turnhalle auf dem Sonnenstein eine schützende Zuflucht. Hinzu kam, dass in der Pirnaer Innenstadt und in anderen Wohngebieten der Strom total ausfiel. Gegen 16.30 Uhr löste das Landratsamt Katastrophenalarm für sämtliche Einsatzkräfte aus. Bereits zu diesem Zeitpunkt waren Hunderte Helfer im Einsatz. Die Situation spitzte sich zuletzt so zu, dass sogar Feuerwehrkräfte aus Sebnitz an die Müglitz abgezogen wurden. Die Hochwasserlage wurde so schlimm, dass schließlich alle Feuerwehrmänner im Dauereinsatz waren. Bei Redaktionsschluss eskalierte das Flutenchaos immer weiter. Klaus Lüttjohann vom Katastrophenschutz pessimistisch: Die Flusspegel steigen und es soll die Nacht weiter regnen, da kommt alles zusammen! In der Rettungsleitstelle des Kreises war Hektik angesagt, glühten die Telefonleitungen sprichwörtlich. Auch im Lagezentrum der Polizei war purer Stress angesagt. Der Diensthabende beurteilte die Lage in der Nacht als katastrophal. Selbst die Einsatzfahrzeuge der Polizei kamen nicht mehr aus Pirna heraus, weil alle Straßen dicht waren. Für medizinische Rettungskräfte wurde es nahezu unmöglich, in von der Umwelt abgeschnittene Ortschaften zu eilen. Auch die Elbe schwillt immer mehr an. Für heute wird ein Pegel von 6,20 Meter prognostiziert. Schuld daran sind vor allem die enormen Regenmengen im Riesengebirge, dem Elbe-Einzugsgebiet. Jugendliche versuchen in Pirna, eine Altpapiertonne festzuhalten.Feuerwehrleute holten am Nachmittag Sandsäcke, um zu helfen.Bereits in den frühen Morgenstunden waren viele Straßen im Landkreis überflutet, wie hier in Lohmen.Foto: SZ/Dirk ZschiedrichDie Dohnaische Straße in Pirna, gestern Abend, 19 Uhr. Große Teile der Innenstadt waren nach der Flutwelle der Gottleuba und Seidewitz überschwemmt. Anwohner versuchten fluchtartig, ins Trockene zu kommen. Fotos: Daniel Förster
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