| Sächsische Zeitung (Lokales Freital ), 29.01.2003 Nach der FlutEin Wasser-Atlas für Bauherren Landestalsperrenverwaltung arbeitet an Gefahrenkarten, die Flächen nach Hochwasserrisiko einstufen Die Städte und Gemeinden haben inzwischen ihre Programme zur Beseitigung der Flutschäden von dem Wiederaufbaustab bestätigt bekommen. Das gibt ihnen die finanzielle Sicherheit für die enormen Investitionen, die noch in den nächsten Monaten notwendig sind. Zugleich arbeitet die Landestalsperrenverwaltung an Konzepten für einen wirksamen Hochwasserschutz. Mandy Schaks Die Flüsse im Weißeritzkreis sind von der August-Flut immer noch schwer verwundet. Die Wassermassen stürzten von den Bergen zu Tale, so dass kaum ein Stein auf dem anderen blieb. Altenberg lag damals mitten im Unwetter-Zentrum. Die Folgen sind bis heute nicht zu übersehen. Das nahm der Bürgermeister der Bergstadt, Thomas Kirsten, zum Anlass, um mit Fachleuten über Ursachen und notwendige Konsequenzen zu diskutieren. 34,6 Mio Schaden an den Weißeritz-Gewässerbetten Dr. Uwe Müller, Referatsleiter bei der Landestalsperrenverwaltung Sachsen, machte das Ausmaß deutlich: Allein am Gewässerbett der Roten, Wilden und Vereinigten Weißeritz entstand ein Schaden von 34,6 Millionen Euro. Statistisch gesehen, ist an der Weißeritz alle 160 Meter eine Schadstelle. Ein Sechstel davon ist nicht mehr zu reparieren, muss komplett erneuert werden. Noch schlimmer erwischte es die Müglitz. Den Fluss zerriss es im Müglitztal rein rechnerisch alle 100 Meter. Ein Drittel der Zerstörungen sind Totalschäden. Sofortmaßnahmen darf man nicht bereuen Nach der Flut begannen auch in den Flussbetten die Aufräumarbeiten. "Es musste sofort etwas getan werden", erläuterte Müller, "aber nur solche Arbeiten, die man später nicht bitter bereut." Diese Sofortmaßnahmen waren bis Mitte Oktober abgeschlossen. Parallel dazu begannen Planungen und erste Sanierungen. Bis Jahresende wurden etwa 2,6 Millionen Euro in die Rote Weißeritz gesteckt, rund 2,4 Millionen in die Wilde Weißeritz und noch einmal ungefähr 2,7 Millionen in die Vereinigte Weißeritz, nannte Müller Beispiele. Nicht alle Investitionen sind sofort sichtbar. "Bei uns im Erzgebirge ist der Ursprung der Flüsse", erklärte Rainer Frenzel, Dezernent im Landratsamt und zugleich Vertreter der Kreisverwaltung im Wiederaufbaustab. "Wir müssen gemeinsam mit der Landestalsperrenverwaltung Hochwasserschutzkonzepte erarbeiten." Der Wiederaufbau allein genügt nicht, bietet keine hinreichende Sicherheit bei erneuten sintflutartigen Regengüssen. Dafür spreche die enorme Schadensbilanz, die allein der Weißeritzkreis beim verheerenden August-Hochwasser davon getragen hat. Die Flut kostete fünf Menschen das Leben, spülte 20 Häuser weg, zerstörte weitere 40 Gebäude so schwer, dass sie später abgerissen werden mussten, knickte rund 90 Brücken und nahm etwa 250 Autos mit, zählte Frenzel auf. Die Landestalsperrenverwaltung geht den Ursachen auf den Grund, versicherte Müller. Eine erste Erkenntnis ist: Wir brauchen mehr Hochwasserschutzraum, sowohl für die Weißeritz als auch die Müglitz. Die jetzigen Stauanlagen hätten zwar wie ein Fels in der Brandung gestanden und seien nie in ihrer Sicherheit gefährdet gewesen, machte der Referatsleiter deutlich. Aber sie konnten diese Wassermengen nicht zurückhalten, selbst wenn zum Beispiel die Talsperre Malter leer gewesen wäre. Zum Zweiten sind u. a. sturzgefährdete und alte Bäume an den Gewässern zu entfernen, Pflegeschnitte an den Gehölzen am Ufer durchzuführen und Böschungen für die Flüsse besser geeignet als Stützmauern. Digitale Geländemodelle vom Weißeritzkreis Was ganz genau zu tun ist, wird dabei nicht aus dem Bauch heraus entschieden. Gutachten werden angefertigt, die die Hydrologie beleuchten. Grundlage dafür sind digitale Geländemodelle. Die Gebiete wurden bereits mit Spezialtechnik überflogen, um die Daten zu liefern. Auf dieser Basis werden die Hochwasserschutzkonzepte erarbeitet. "Normalerweise dauert so etwas ein Jahr", schilderte Müller. "Wir wollen das aber bis 31. März über die Bühne bringen. Denn wir müssen ab März auch bauen." Heraus kommen sollen dann auch so genannte Gefahrenkarten. Das werden Handbücher zum Bauen sein. Dieser Wasser-Atlas gibt Behörden und Bauherren Aufschluss über die Landschaft, über sensible und weniger anfällige Gebiete. Daraus wird zu erkennen sein, auf welchen Flächen überhaupt nicht gebaut werden sollte, in welchen Bereichen sich Baukräne unter bestimmten Auflagen drehen können, wo Hinweise zu beachten sind und wo bei einem eventuellen Hochwasser keine Schäden zu erwarten sind. Was passiert mit Häusern im Hochwassergebiet? Die Umsetzung der Gefahrenkarten liegt dann nicht mehr in der Hand der Landestalsperrenverwaltung. "Das ist eine politische Entscheidung", sagte Müller. Und die wird brisant. Das zeigt sich schon jetzt an der Umsiedlung in Röderau an der Elbe. Auch im Weißeritzkreis gibt es Häuser, wenn nicht gar Straßenzüge, die so nah am Fluss gebaut sind, dass sie schon bei jedem normalen Hochwasser in Gefahr geraten, erst recht bei einer Jahrhundert-Flut wie im vergangenen August. Die Frage ist: Wie wird hier verfahren? Reichen andere Schutzmaßnahmen oder müssen eventuell Gebäude weichen? Und wer würde all das dann bezahlen? Am Ortsausgang von Glashütte in Richtung Schlottwitz hat die Müglitz bei der Jahrtausendflut ihre Spuren sehr deutlich hinterlassen. Aber die Uhrenstadt Glashütte hat wenig Möglichkeiten in ihrer engen Tallage, um auszuweichen.Foto: Peter Kuner
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