| Sächsische Zeitung (Politik ), 29.01.2003 Bürokratie wieder mit normalem PegelDohnaer sind mit Erreichtem zufrieden / Künftiger Aufbau langsamer Nora Miethke Das Warnschild mit der Aufschrift "Achtung Schadensgebiet" steht noch immer am Eingang zu Dohna. Es wird auch so schnell nicht verschwinden, ist doch die dahinter beginnende Müglitztalstraße eine lange Baustelle. "Mittlerweile ist sie wieder einseitig bis Pirna befahrbar", sagt Bürgermeister Friedhelm Putzke (parteilos). Der Stadtvater von Dohna ist mit dem Fortgang der Aufräumarbeiten "äußerst zufrieden". Die Müglitz sei von angeschwemmtem Bauschutt und entwurzelten Bäumen befreit. Gerade werden ihre Nebenflüsschen freigeräumt, damit das Wasser ungehindert fließen kann. Freie Fahrt werden die Dohnaer bald auch auf den drei vom Hochwasser beschädigten Straßen haben. "Wenn uns der Frost nicht überrascht, werden die Bauarbeiten in drei Wochen abgeschlossen sein", meint Putzke. Künftig wird der Wiederaufbau aber langsamer voranschreiten. Am Geld liegt es nicht. Die Zusammenarbeit mit dem Dresdner Regierungspräsidium und der Sächsischen Aufbaubank sei sehr gut, lobt der Bürgermeister. Der erste Zuwendungsbescheid von 1,5 Millionen Euro sei noch nicht ausgeschöpft. Vielmehr schlägt die Bürokratie seit Jahresbeginn wieder erbarmungslos zu. Bei der noch anstehenden Sanierung der Brücken müssen wie vor der Flut Genehmigungen von allen möglichen Behörden eingeholt und die Bauaufträge öffentlich ausgeschrieben werden. Die Vorbereitung werde mindestens ein halbes Jahr dauern. "Wir brauchen Geduld", so Putzke. Das hat Jürgen van Kolck in den vergangenen Monaten auch gelernt. Der Seathändler wollte eigentlich Silvester schon im neuen Autohaus feiern. "Das Ziel haben wir verfehlt, vielleicht war es unrealistisch", so van Kolck. Vor allem habe er die Wartezeiten beim Bauen unterschätzt, dass beispielsweise ein neuer Estrich nicht tagelang, sondern wochenlang trocknen muss, bevor der Fliesenleger ihn betreten darf. Jetzt soll das Autohaus Mitte Februar fertig sein. "Das werden wir auch schaffen", ist der Händler optimistisch. Er will endlich ungestört Kunden von den Vorteilen spanischer Autos überzeugen. Derzeit taucht alle fünf Minuten ein Handwerker auf und fragt, wo die Steckdosen installiert werden sollen oder die neuen Büromöbel hingehören. "Der Autoverkauf ist schwer vernachlässigt", sagt van Kolck, der im vergangenen Jahr rund ein Drittel des Umsatzes einbüßte. Er hat nicht nur Verluste zu verkraften. Die Flut brachte ihm auch einen Gewinn: "Der Zusammenhalt unter den Einwohnern ist viel enger." Mit manchen, mit denen er früher nur ein "Guten Tag" tauschte, sei er jetzt "per du". Sparkasse fehlt noch Die große Hilfsbereitschaft beflügelte auch Ehepaar Walther bei der Beseitigung der Schäden. Zwar kriecht im Erdgeschoss des Wohnhauses nach wie vor die Feuchtigkeit die Wände hoch. Doch ihr Lederwarengeschäft ist wieder wie vor der Flut. "Was man in 20 Jahren aufgebaut hat, lässt sich nicht in sechs Monaten reparieren", sagt Reinhard Walther. Er habe beim Wiederaufbau bisher nur gute Erfahrungen mit der Stadtverwaltung und den Banken gemacht, auch wenn er die Sonntagsruhe mancher Betreuer störte. "Ich habe mich nicht abspeisen lassen und auch am Wochenende angerufen", so Walther. Mit Erfolg, der Laden läuft. Jetzt hofft der Einzelhändler, dass auch die Sparkasse bald wieder gegenüber einzieht und damit die Laufkundschaft zurückkehrt. Ob und wann das sein könnte, darüber fällt die Entscheidung laut Bürgermeister Putzke erst im März. Reinhard Walther hat es geschafft. Im Lederwarengeschäft steht alles am alten Platz - wie vor der Flut. Auch die Stammkunden sind zurückgekehrt. Foto: SZ/LöselVor fünf Monaten stand im Autohaus von Jürgen van Kolck meterhoch der Schlamm. Jetzt stehen wieder die neuen Modelle von Seat da. Foto: SZ/Lösel
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