| Sächsische Zeitung (Seite3/ Betriebswirtschaft ), 17.01.2003 Für Margon ist seit der Wende vieles im Fluss Domokos Szabó Ob es zwischen Mineralwasser-Konsum und Lebenserwartung einen Zusammenhang gibt, wurde wohl noch nicht erforscht. Artur Kunz, langjähriger Chef der Traditionsmarke Margon, denkt nicht lange nach, was bei solch einer Studie rauskommen könnte. "Ich glaube nicht, dass ich so alt geworden wäre, ohne das Margonwasser in jeder Hinsicht genutzt zu haben", sagt der 86-Jährige. Dass er sein Wasser nicht nur trank, sondern auch darin badete, kam nicht von ungefähr. Seine Villa wurde ausschließlich vom Brunnen im Müglitztal versorgt. Nach der Wende war es dem Unternehmer gelungen, sich in die Marktwirtschaft hinüberzuretten. Ohne einen starken Partner hätte ihm allerdings die Konkurrenz das Wasser abgegraben. 1990 verkaufte er den größten Teil seiner Anteile in die Eifel - an die Gerolsteiner Gruppe, Marktführer unter den Mineralwasser-Herstellern. Gerolsteiner investierte seit der Wende Millionen. Gleichzeitig wurde rationalisiert: Heute arbeiten noch 107 Menschen in der Firma im Müglitztal. Nun steht der zweite Besitzerwechsel an: Gerolsteiner gab gestern bekannt, Margon an die regional ausgerichtete Brau und Brunnen AG ("Spreequell", "Vita-Cola") zu verkaufen. Fast ein ganzer Liter für jeden Deutschen Als erster Brunnen in Sachsen führte Margon 1995 die heute geläufigen Plastik-Flaschen ein. Darin und in den traditionellen Glasflaschen verkaufte das Unternehmen zuletzt fast 72 Millionen Liter im Jahr - beinahe so viel, als würde jeder Deutsche einen Liter Wasser trinken. Doch trotz der immer wieder erlangten Marktführerschaft stieg der Umsatz in den letzten Jahren nicht so stetig wie perlende Kohlensäure. Vor zwei Jahren rutschte die Traditionsmarke in die roten Zahlen, 2001 ging der Umsatz um zwei Prozent auf 19,4 Millionen Euro zurück. Die aktuellen Zahlen werden heute bekannt gegeben. Mitbewerber Lichtenauer meldete am Donnerstag ein sattes Plus - und liegt damit im Trend der Branche. Die ist dennoch nicht in Champagnerlaune. Denn zum einen rechnet der Verbraucher mit spitzem Stift und kauft sein Wasser zunehmend bei Discountern. Zum anderen hadern die Brunnen mit den Folgen staatlicher Eingriffe zu tun. "Zu viele gesetzliche Stolpersteine erschweren den Weg für die deutschen Mineralbrunnen-Unternehmen", klagt Wolfgang Stubbe vom Verband Deutscher Mineralbrunnen. Lkw-Maut und Öko-Steuer sorgen für Unmut, aber auch das Dosenpfand lässt die Abfüller nicht jubeln. Zumindest damit hat Margon kein Problem: Der Einweganteil liegt unter einem Prozent. |