Schloß und Schulstraße
 
Der aus der Karte ersichtliche Verlauf der Müglitz im Bereich des Ortseinganges von Weesenstein (westlich vom Schloß) bis zum Gemeindeamt (rechts ) ist unter dem Gesichtspunkt von Erosionsprozessen am Prallufer und der Materialablagerung am Gleitufer unter normalen Bedingungen und auch im Hochwasserfall sinnvoll.
 
Die Führung durch den Park direkt auf den Schloßfelsen führt dazu, daß sich hier das Wasser staut und dadurch Geröll und Treibgut liegen bleiben. Damit hat der Flußbogen durch den Park eine Schutzfunktion für den gesamten Ort Weesenstein.
 
Schwachpunkte sind die drei Brückenbauwerke an der 180°-Biegung am Schloß und die Brücke vor der 90°-Biegung beim Gemeindeamt. Schon auf Grund der Biegung staut sich hier das Wasser. So daß sich hier Geröll und Treibgut ablagern kann. Reicht dann die Durchflußmenge nicht mehr, tritt das Wasser über die Ufer und sucht sich einen neuen Weg mit undefinierten Strömungsrichtungen.
 
 
Strömungen um das Schloß
aus topographische Karte von Sachsen 1:10000
 
Am Nachmittag des 12. August hat die Müglitz im Bereich des Schloßparks so viel Geröll und Treibgut abgelagert, daß das Flußbett zugeschüttet wurde. Das Wasser überflutete den gesamten Park. Die Katastrophe für Weesenstein begann in dem Augenblick, als sich die weiter ansteigenden Wassermassen längs der Straße im Schloßpark ein neues Bett gegraben hatten und das Wasser nun ungebremst direkt auf die ersten Häuser traf. In der Karte sind die nun veränderten Hauptströmungsrichtungen im Bereich der Schulstraße durch blaue Pfeile markiert. Die rot markierten Häuser hat die Flut vollständig zerstört und die blau markierten mußten wegen Baufälligkeit abgerissen werden.
Die vorliegenden Aufnahmen, die während und nach der Flut entstanden sind, untermauern das skizzierte Strömungsverhalten.
 
Strömungsverlauf
 
Besonders die Lutaufnahme von Herrn Förster macht den Strömungsverlauf im Bereich des Schlosses deutlich und kann direkt in die Karte übertragen werden. Viele der zerstörten Häuser (rot in der Karte eingezeichnet) standen häufig diagonal zur Strömungsrichtung und waren dadurch noch höheren Kräften ausgesetzt.
 
Mittwoch, 14.8.2002
Mittwoch
14.8.202
 
 
Das Geröll aus dem neuen Flußbett am Park schüttete das alte Flußbett zwischen Schulstraße und Altenberger Straße zu. Die entwurzelten Bäume aus dem Park trafen immer wieder die Häuser, so daß schon am Montag Abend fünf in den Fluten versanken. Die Brücke unterhalb des Schlosses über die Müglitz, die die Flut von 1927 überstanden hatte, wurde ebenfalls zerstört.
Das Wasser schoß mit so einer Gewalt durch den Ort, daß auch Bereiche geschädigt wurden, die vom Höhenniveau sicher sein sollten.
 
Die im Bereich der Schulstraße stehengebliebenen Häuser sind bei zukünftigen Fluten ähnlichen Ausmaßes nur sicher, wenn die Müglitz nicht direkt in den Ort strömen kann. Einige der Häuser haben durch den Abriß von weiteren Häusern nach der Flut ihren bisherigen Schutz verloren.
 
Herr Walter von der Landestalsperrenverwaltung erläuterte auf der Versammlung am 5. September, daß man für extreme Hochwasser die entstandene Flutrinne im Park entlang der Straße nutzen wolle. Das würde bedeuten, daß oberhalb von Weesenstein die Fließgeschwindigkeit erhöht wird und damit die zerstörerischen Kräfte noch schlimmer im Ort wüten.
Das Gegenteil ist notwendig. Der Müglitz darf es nicht wieder gelingen, diese Flutrinne parallel zur Straße zu nutzen und direkt im rechten Winkel auf die Häuser im oberen Bereich der Schulstraße zu treffen. Der Schloßpark kann und muß als Stauraum für die Müglitz bei extremen Hochwasser genutzt werden.
Experten von der Wasserwirtschaft und Talsperrenverwaltung sollten über den Bau eines hydraulischen Stausystem zwischen Schloßfelsen und dem westlichen Müglitztalhang nachdenken, das bei Hochwassergefahr aufgerichtet werden kann. Im Bereich des Schloßparks kann dann das Geröll und Treibgut zurückgehalten werden. In der Ortslage würden sich die Gefahren im Bereich der Brücken mindern (Stauungen) und das vorhandene Bett der Müglitz würde nicht zugeschüttet werden.
 
 
 
 
letzte Aktualisierung: 11.09.2002
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