Finckenfang Notausgabe 3
13. September 2002/Druckausgabe kostenlos
 
Zukunft Müglitztal
Sachsens schönstes Tal soll wieder aufblühen!
 
Am 5. September 2002 von 19 bis 21 Uhr fand auf Schloss Weesenstein im Müglitztal für alle Verantwortlichen und alle, die sich betroffen fühlten, im großen Saal eine Versammlung zum Thema "Zukunft Müglitztal" statt. Initiiert wurde die Versammlung von Bürgern und Bürgerinnen der Gemeinde Müglitztal. Weit über 100 Gäste waren gekommen. Die Leitung der Veranstaltung wurde freundlicherweise von MdB Klaus Brähmig übernommen. Der Landrat des Kreises Sächsische Schweiz sprach das Grußwort.
 
Protokoll der Versammlung

Begrüßung
"Schier Übermenschliches ist in den letzten Wochen geleistet worden", sagte Landrat Michael Geisler zur Begrüßung. Er bedankte sich aufrichtig bei allen Helferinnen und Helfern und wünschte sich gerade für die Betroffenen, dass die Solidarität weiter anhalte. Die Aufräumarbeiten seien sehr zügig vorangeschritten. Die nächste Phase, der Wiederaufbau, werde sicherlich Jahre dauern. Es sei eine Mammutaufgabe und jeder versuche das Bestmögliche zu machen. Die Betroffenen, die Region und das ganze Land hätten große finanzielle Verluste erlitten. Daher sei besonders die Unterstützung durch die Bundesrepublik jetzt sehr wichtig.
 
TOP 1 Müglitz:Grundüberlegungen zur Neuanlage des Flussbettes der Müglitz (Hochwasserschutz, Wasserwirtschaft)
Herr Walter von der Landestalsperrenverwaltung teilte mit, dass die Müglitz nach den derzeitigen Vorstellungen der Behörde in Weesenstein in ihrem alten Bett verbleiben soll. Da das alte Bett bei Hochwasser aber nicht ausreiche, sei geplant, eine Flutrinne parallel zur Straße im Park anzulegen. Oberhalb des Parks soll ein Wehr die Flutung im Hochwasserfall ermöglichen. Am 4.9.2002 habe der Freistaat Sachsen beschlossen, dass die Ufermauern und Böschungen auf Kosten des Freistaates wieder hergestellt werden. Danach müssen sich die Eigentümer um die Pflege der Ufermauern kümmern. Prinzipiell seien Böschungen besser als Ufermauern. Die Pflege der Böschungen wird zukünftig der Freistaat übernehmen. Herr Walter wies darauf hin, dass die Neuanlage des Flussbettes der Müglitz nicht so schnell erfolgen könne. Der behördliche Weg müsse eingehalten und in jedem Fall müsse mit den Kommunen Rücksprache gehalten werden. Das Rückhaltebecken (Erdwall mit Steinen und Asphalt) bei Lauenstein werde wie geplant weiter gebaut und soll Ende 2005 fertiggestellt werden.
 
TOP 2 Müglitztalstraße: Wiederaufbau bzw. Neuplanung der Müglitztalstraße (z.B. als "Deutsche Alleenstraße")
Herr Heidenreich von Straßenbauamt war nicht erschienen. Landrat Geisler wies darauf hin, dass der Wiederaufbau der Straße durch das Müglitztal eine Aufgabe für die nächsten Jahre sei. Die Staatsstraße werde in Kürze provisorisch asphaltiert, besonders um die Staubbelästigung und die im Winterhalbjahr zu erwartende Verschlammung gering zu halten. Damit werde eine halbwegs vernünftige Befahrbarkeit erreicht. Von Heidenau bis Altenberg gäbe es unterschiedliche Zuständigkeiten. Wichtig sei daher beim Ausbau der Straße eine kreisübergreifende Kooperation. Die straßenseitige Erschließung des Tals sei die vorrangigste Aufgabe. Die Medien (Wasser, Strom, Telefon, Abwasser) werden später verlegt.
 
TOP 3 Müglitztalbahn:Wiederaufbau der Müglitztalbahn von Heidenau bis Altenberg
Arndt Eißmann, Leiter Regionalnetz Ostsachsen der Deutschen Bahn Netz AG, teilte mit, dass die Bahnstrecke Heidenau - Altenberg wieder aufgebaut werde. Der Deutschen Bahn seien durch das Hochwasser der Elbe, der Weißeritz, der Mulde und der Müglitz Schäden ich Höhe von 1,25 Milliarden Euro entstanden. Die Infrastruktur DB Netz stelle für den Wiederaufbau 750 Millionen Euro bereit, der Bund habe 650 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Heute seien viele Strecken unpassierbar. Höchste Priorität beim Wiederaufbau haben die Hauptstrecken Dresden - Leipzig und Dresden - Pirna - Bad Schandau - Prag. Danach werde als erste der Regionalstrecken die Müglitztalbahn von Heidenau nach Altenberg aufgebaut. Bereits in der Woche ab dem 9. September werde mit der Planung begonnen. Auf der Strecke Heidenau - Köttewitz fahren seit dem 9. September 2002 wieder die Güterzüge, um dem Chemie-Werk in Dohna den Anschluss nach außen zu ermöglichen und die Arbeitsplätze zu sichern.
Beim Wiederaufbau der Bahnstrecke durch das Müglitztal müsse man aus der Vergangenheit lernen. Bis 1999 habe die Bahn viel Geld in die Strecke investiert. Die Fahrgäste hätten die Stecke gut angenommen. Über 1.000 Reisende seien pro Tag mit den Zügen gefahren. Die Bahn will schnell wieder diese moderne Qualität erreichen. Ein Datum für den ersten Zug konnte Herr Eißmann noch nicht nennen. Der Aufbau solle in Etappen erfolgen, zunächst von Heidenau bis Glashütte. Herr Eißmann nutzte die Gelegenheit, alle Versammelten bereits zur neuen Jungfernfahrt einzuladen.
Herr Bergmann vom Verkehrsbund Oberelbe teilte mit, dass der Verkehrsbund beim Wiederaufbau die Chancen zur weiteren Verbesserung der Verkehrsverbindungen nutzen will, um noch flexiblere und attraktivere Verbindungswege im öffentlichen Nahverkehr zu schaffen. Seit dem 9. September 2002 fahre der Schienenersatzverkehr auf der Strecke Heidenau - Schlottwitz. Sobald die Straßenverhältnisse es zulassen, werde der Schienenersatzverkehr weiter eingerichtet. Eine Übergangsstelle Bahn - Bus werde in Altenberg noch in diesem Jahr eröffnet, eine weitere sei für Glashütte geplant.
 
TOP 4 Rad-Wanderweg: Aufbau eines Rad-Wanderwegs Heidenau - Altenberg, im Winter als Langlauf-Loipe nutzbar
Landrat Geisler wies darauf hin, dass der Weißeritzkreis und der Landkreis Sächsische Schweiz in diesem Punkt mit dem Verein Region aktiv e.V. zusammenarbeiten können, der sich im Frühjahr 2002 gegründet hat und der den ländlichen Raum als Lebens-, Arbeits-, Natur-, Kultur-, Erholungs- und Freizeitraum stärken will. Damit bestehe auch die Möglichkeit, Geld vom Bund und von der Europäischen Union für das Vorhaben Rad-Wanderweg zu bekommen.
 
TOP 5 Neukonzeption für Weesenstein: Maßstäbe setzen für Architektur in ähnlichen Hochwassergebieten weltweit (Architekturwettbewerb)
Landrat Geisler wies darauf hin, dass sich bei der Neukonzeption von Weesenstein die Anlieger einbringen können. Jedoch habe sich herausgestellt, dass das Müglitztal zunächst neu ausgemessen werden muss, da die Höhenlinien nicht stimmen. Viele Grundlagen müssen erarbeitet werden, bevor beschlossen werden könne, wo welches Bauwerk entstehe. Endgültige Antworten könne es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geben, da noch zu viele Fragen offen sind. Herr Brähmig verliest den Gruß der Kulturstiftung Sachsen (Vorsitzender Dr. Jürgen Uwe Ohlau). Die Kulturstiftung Sachsen will in wenigen Wochen zusammen mit dem Deutschen Werkbund (Präsident Prof. Gütemann, Konstanz) und dem Deutschen Werkbund Sachsen (1. Vorsitzender Bernd Sikora) ein Symposium zum Thema "Neukonzeption zerstörter Orte im Müglitztal" (Arbeitstitel) möglichst auf Schloss Weesenstein veranstalten. Spitzenkräfte aus Architektur und Landschaftsplanung sollen dann zusammenkommen. Die TU Dresden, Fakultät Architektur, Professur für Denkmalpflege und Entwerfen, Prof. Will, hat den vom Hochwasser betroffenen Gemeinden bereits seine Unterstützung angeboten. Darüber hinaus läuft in der TU auf Initiative von Professor Will im kommenden Wintersemester eine Vortragsreihe zum Thema "Geschichte versus Natur - historische Orte nach der Flut" und ein Seminar zum Thema "Bauen am Wasser - Entwicklung historischer Standorte an Müglitz und Weißeritz nach der Flut".
 
TOP 6 Kommunen: Kreisüberschreitende Zusammenarbeit der Kommunen im Müglitztal
Landrat Geisler betonte, dass die Kommunen und Kreise ein Gremium zur gemeinsamen Lösung der anstehenden Aufgaben nach der Flut bilden wollen.
 
TOP 7 Vermarktung Müglitztal: Wollen die Unternehmer im Müglitztal einen Verein gründen, eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft Müglitztal? und
TOP 8 Tourismuskonzept "Erlebnis Müglitztal" - Konzept mit verschiedenen Stationen zum Umwelt- und Naturschutz (z.B. Erhalt eines Abschnitts der Müglitz nach der Flut als Naturdenkmal), Stationen zur Besiedlungs-, Technik- und Heimatgeschichte, Industrialisierung u.s.w.; - Übernachtungsmöglichkeiten; - Freizeiteinrichtungen (Golfplatz, Reitwege, Bademöglichkeiten; Museen, Theater ...)
Alle, die Interesse an diesen Themen hatten, konnten sich in eine Liste eintragen und werden in Kürze zu einer Versammlung zu diesem Thema eingeladen. Es muss dann entschieden werden, ob eine neue Interessensgemeinschaft gegründet werden soll oder ob das Müglitztal im Tourismusverband Sächsische Schweiz mitarbeiten will. Klaus Brähmig betonte, dass diese Aufgabe viel Herzblut und Liebe erfordere. Weitere Interessenten wenden sich an Herrn Uli Betsch, Schlossbrauerei Weesenstein, Tel. 035027-42004.
Frau Walz, Leiterin der Sächsischen Landesstiftung für Natur und Umwelt, wies darauf hin, dass et-liche Projekte im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes für das Müglitztal denkbar seien. Die Projekte müssen aus der Bevölkerung kommen. Frau Walz ist gerne bereit, in einer Arbeitsgruppe mitzuarbeiten. Die Richtlinien und Antragsformulare sind bei der Redaktion FINCKENFANG erhältlich.
Der Reiseveranstalter Eberhardt Travel aus Kesselsdorf hat bereits im Vorfeld seine Unterstützung in Bezug auf das für das Müglitztal neu zu konzipierende Tourismuskonzept zugesagt.
 
 
Diskussion
Schulstraße Weesenstein
Frage: Wer beschließt, wann und ob die Grundstücke wieder bebaut werden dürfen?
Antwort Landrat Geisler: Wo gefahrfrei gebaut werden kann, darf wieder gebaut werden. Baugenehmigungen werden dann in einem verkürzten Verfahren erteilt. Ein konkreter Zeitpunkt kann jetzt leider noch nicht mitgeteilt werden. Die Sicherheit der Anwohner muss gewährleistet sein. Die Grundstücke an der Schulstraße 9-12 werden kein Bauland mehr. Den Eigentümern werde bei Versicherungsangelegenheiten geholfen.
 
Hochwasser - Hochwasserschutz:
Dr. Dieter Weirauch aus Müglitztal, OT Maxen, wies darauf hin, dass man aus den Hochwassern von 1897 und 1927 lernen solle. Die Hochwassermengen seien noch steigerungsfähig. Man brauche gute Luftaufnahmen und Zahlenmaterial über die Wassermengen. Außerdem sei das Ablesen und Auswerten der Pegel eine der dringlichsten Aufgaben. Herr Walter von der Landestalsperrenverwaltung betonte, dass der Fluss seinen Raum brauche. Die zuständige Behörde arbeite an einer Bemessungsgrundlage zum höchstmöglichen Schutz für die Bevölkerung. Zur Zeit gäbe es keine Pegelmessungen und somit auch keine direkten Hochwasserwarnungen.
 
Hinweis zu den Spenden:
Auf das Spendenkonto der Gemeinde Müglitztal hat der Landkreis Sächsische Schweiz keinerlei Zugriffsmöglichkeit.
 
Anfallende Verwaltungsaufgaben:
Matthias Borchert aus Müglitztal, OT Maxen, forderte eine personelle Verstärkung der Gemeinde besonders im Bauamt, damit die Gemeinde die auf sie zukommenden Aufgaben überhaupt schaffen kann.
 
Zur Fortsetzung des begonnenen Austauschs ist eine weitere Versammlung geplant. Sie soll am Dienstag, den 1. Oktober 2002 um 19 Uhr auf Schloss Weesenstein stattfinden. Auch diese Versammlung ist öffentlich. Alle sind herzlich eingeladen!
 
 
Weitere Mitteilungen

Konzert auf Schloss Weesenstein
Herzliche Einladung für Sonntag, den 15. September 2002, 18 Uhr: Namhafte Künstler und Künstlerlinnen der Semperoper Dresden musizieren für Betroffene der Flutkatastrophe und alle Helfer und Helferinnen. Gespielt werden die Liebeslieder (op. 52) und Neuen Liebeslieder (op. 65) von Johannes Brahms. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Die parallel laufende ZDF-Sendung "Die Menschen von Weesenstein" wird aufgezeichnet und nach dem Konzert auf Großleinwand gezeigt.
 
ZDF-Serie:Die Menschen von Weesenstein.
Zur Zeit sind zwei Sendungen gelaufen. Vier weitere sind fest geplant. Sendetermin: sonntags 18.30 Uhr (außer am 22. September 2002 / Wahlsonntag).

Sachspenden für Betroffene:
Das Lager in Maxen (Hausrat, Kleidung, Schuhe, Bettwäsche etc.) ist von 8 bis zirka 17 Uhr geöffnet.
Das Lager ITM/Burkhardswalde (Haushaltsgeräte, Hausrat, Kleidung, Schuhe, Bettwäsche etc.) ist ebenfalls von 8 bis 17 Uhr geöffnet.

Werkzeugverleih an Betroffene/Baustoffbedarf für Betroffene:
Werkzeuge können in der Zeit von 8 bis zirka 18 Uhr im Bauhof Mühlbach ausgeliehen werden. Besteht ein Bedarf an bestimmten Baustoffen, bitte im Bauhof oder in der Einsatzzentrale Maxen melden.

Erfassungsbögen:
Diejenigen, die den Erfassungsbogen zur gerechten Verteilung der Spenden noch nicht ausgefüllt haben, sollten sich dringend in der Einsatzzentrale in Maxen melden.
 
Spendenausschuss:
Am 11. September 2002 fand die erste Sitzung des zu gründenden Spendenausschusses für die Gemeinde Müglitztal statt. Ihm werden Vertreter des Gemeinderates, des Ev.-Luth. Pfarramts Maxen, des Ev.-Luth. Pfarramts Burkhardswalde, Bürger der Gemeinde Müglitztal und ein Wirtschaftsprüfer angehören. Ein Modell zur gerechten Verteilung der eingegangenen Geld- und Sachspenden wurde bereits erarbeitet. Mit der Verteilung der Spenden soll schnellstmöglich begonnen werden
 
Dokumentation Hochwasser 2002:
Die Redaktion FINCKENFANG sammelt Erlebnisberichte, Fotos (leihweise) und Videos (leihweise) über die Hochwasserflut. Daraus soll ein Heft über die Hochwasserkatastrophe in der Gemeinde Müglitztal entstehen. Bitte rufen Sie an.
 
Hopfenfest:
Das IV. Hopfenfest auf Weesenstein findet am 29. September 2002 ab 12:30 Uhr statt.
 
 
 
 
Impressum:
Redaktion FINCKENFANG, An der Naturbühne 12, 01809 Maxen
Tel. 035206-31056, Fax 035206-31058
E-Mail: niggemannsimon@t-online.de
ViSdP: Dr. G. Niggemann-Simon
 
 
 
letzte Aktualisierung: 13.09.2002
email: Webmaster@Mueglitztal-Flut.de